Prolog: Ein Muss oder ein unnötiger Umweg?

6. Januar 2025

Die Überarbeitung eines Fantasyromans bringt viele Entscheidungen mit sich, die über den Lesefluss und die Wirkung der Geschichte entscheiden können. Eine dieser Fragen beschäftigt mich besonders: Sollte ich meinem Roman einen Prolog hinzufügen?

Die Überarbeitung eines Fantasyromans bringt viele Entscheidungen mit sich, die über den Lesefluss und die Wirkung der Geschichte entscheiden können. Eine dieser Fragen beschäftigt mich besonders: Sollte ich meinem Roman einen Prolog hinzufügen?

Als ich das Buch ursprünglich geschrieben habe, hatte ich die Idee eines Prologs von Anfang an im Kopf. Doch im Laufe des Schreibprozesses habe ich mich dagegen entschieden. Stattdessen wollte ich, dass Leser:innen die Welt und den größeren Konflikt durch die Augen der Hauptfiguren entdecken – langsam, Stück für Stück, und mit genauso viel Unwissenheit wie sie.

Jetzt, da die Korrektur des Buches fast abgeschlossen ist und eine Neuveröffentlichung geplant wird, überlege ich erneut: Wäre ein Prolog sinnvoll, um die Spannung direkt am Anfang aufzubauen? Ein Abschnitt, der einen mysteriösen Rahmen setzt und den größeren Konflikt andeutet, könnte den Einstieg in die Geschichte dynamischer machen. Aber würde das die Magie des allmählichen Entdeckens mindern?


Prologe: Fluch oder Segen?

Die Meinungen zu Prologen gehen weit auseinander. Manche Leser:innen lieben es, gleich zu Beginn in eine dramatische Szene geworfen zu werden, die sie neugierig auf das macht, was folgt. Andere bevorzugen es, direkt mit den Hauptfiguren in die Geschichte einzutauchen, ohne dass ein Prolog ihnen vorgibt, worauf sie achten sollen.

Ein Prolog kann verschiedene Zwecke erfüllen:

  • Rahmen setzen: Er gibt den Leser:innen Hinweise auf den größeren Konflikt oder auf Ereignisse, die außerhalb der Perspektiven der Hauptfiguren geschehen.
  • Atmosphäre schaffen: Ein gut geschriebener Prolog kann die Stimmung und den Ton des Buches definieren.
  • Neugier wecken: Durch das Andeuten einer Bedrohung oder eines Geheimnisses wird das Interesse an der Geschichte verstärkt.

Aber es gibt auch Nachteile: Prologe können sich wie ein „zweiter Anfang“ anfühlen, was das Tempo des Buches verlangsamt. Oder sie können den Überraschungseffekt nehmen, wenn Leser:innen zu früh wissen, worauf die Geschichte hinausläuft.


Wie ich zu meiner Welt stehe

In meinem Fantasyroman ist die Welt vielschichtig und voller Geheimnisse. Die Handlung beginnt mit drei Hauptfiguren, die völlig unvorbereitet in den größeren Konflikt gezogen werden. Das hat bisher gut funktioniert, denn Leser:innen erleben die Enthüllungen der Welt gleichzeitig mit den Charakteren. Die Spannung entsteht aus der Unwissenheit – sowohl bei den Figuren als auch bei den Leser:innen.

Dennoch spiele ich mit der Idee, den Prolog als eine Art Vorahnung zu nutzen. Er könnte beispielsweise eine Szene aus der Vergangenheit zeigen, in der der Grundstein für den großen Konflikt gelegt wird. Alternativ könnte der Prolog aus der Perspektive einer Figur erzählt werden, die im Hauptteil des Buches kaum auftaucht, aber dennoch entscheidend für die Geschichte ist.

Ein anderer Ansatz wäre ein symbolischer Einstieg: Ein mythisches Ereignis oder eine Legende, die die Stimmung des Romans einfängt, ohne zu viel zu verraten. Damit könnte ich die Atmosphäre intensivieren, ohne den Fokus von den Hauptfiguren zu nehmen.


Was denken Leser:innen?

Ich habe auch versucht, mich in die Perspektive meiner Leser:innen hineinzuversetzen. Würden sie die Reise durch die Augen der Figuren spannender finden, oder würde ein starker Einstieg sie mehr fesseln?

Hier sind einige konkrete Fragen, die ich mir stelle:

  • Könnte ein Prolog mehr Tiefe schaffen, ohne den Fluss der Handlung zu stören?
  • Wie würde sich ein Prolog auf die Erwartungen an den Rest des Buches auswirken?
  • Und vor allem: Welche Art von Prolog wäre für diese Geschichte die richtige?


Meine Entscheidung:

Momentan tendiere ich dazu, einen Prolog zu schreiben, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Ich möchte neugierig machen, aber nicht zu viel verraten. Dabei werde ich darauf achten, dass er in Ton und Stil zum Rest des Buches passt.

Ich freue mich auf eure Meinungen und Gedanken!

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